Die Römer bezeichneten in der Antike das Meer in der Mitte ihres Reiches als „unser Meer“, „MARE NOSTRUM“, später würde daraus der Begriff „Mittelmeer“.
„MARE NOSTRUM“ klingt tatsächlich wesentlich persönlicher, beinahe liebevoll.
Rund herum haben die Römer also ihre persönlichen und allgemeinen Spuren hinterlassen, darauf folgten einige andere, unter anderem die Mauren und als Beispiel der jüngeren Vergangenheit das Osmanische Reich.
Alle hinterließen Spuren und drückten den heutigen Anrainerstaaten im Laufe der Geschichte ihre Stempel auf, man mag aber heutzutage als Tourist*in alles als „wie aus einem Guss“ bestehend“ empfinden.
Genau dieser Aspekt liegt den Fotografien der fortlaufenden Werkgruppe MARE NOSTRUM zugrunde.
Die allgemeine Kulissenhaftigkeit des Abgebildeten lässt viel Raum zur Spekulation über eine konkrete Verortung und oft auch die genaue Zeit, in der analog eingefangene Szene stattfindet. Personen wirken oft wie ein Teil der Landschaft, meistens winzig klein, wie antike Statuen als Staffage eines Idylls.
Bei näherem Hinsehen bemerkt die Betrachter*in häufig schnell, dass der Schein in der Regel jedoch trügt: die gezeigten Orte sind verdorrt, verkommen, verwahrlost.
Absurd deplatzierte Gegenstände wie eine kaputte Schranke vor einem heruntergekommenen Stadion oder ein auf der Wiese liegendes Motorboot zeugen von einem lockeren Umgang mit Umgebungsverschönerung und deuten auf ein Vor-sich-hin-laufen-lassen hin.
Die wie Touri-Fotos erscheinenden Bilder, die zwar in dem Moment von einem Foto-Touristen aufgenommen wurden, aber doch die andere, rauere, mit Sicherheit aber normalere Seite zeigen, beleuchten also nicht bloße Kulissen, sondern das, was auf der anderen Seite, abseits des schönen Scheins liegt. Das, was auf keiner Buchungspage und in keinem Urlaubskatalog gezeigt wird.